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Tageblatt für den Kreis Steinfurt
in Auszügen auch Grenzland Wochenpost

(Sonderveröffentlichung 03.07.2008)

Der Geist von Lamberti-Mark - Das umfangreiche Vereinsprogramm soll auch für Nachwuchs attraktiv sein / Spagat zwischen Tradition und Veränderung

Rainer Engbers, erster Vorsitzender des Schützenvereins Lamberti-Mark, sagt es ohne Umschweife: „Unser Verein schläft nicht! Wir bieten auch über das Schützenfest hinaus zahllose Aktionen an." Allein die Vorarbeit an den fünf Festbögen (Postdamm/Ehrenmal, oberer Postdamm, Lambertiweg/Rosenstraße, Schützenplatz Austeresch, Buschlandweg), anlässlich des 100-jährigen Bestehens, habe rund 20 neue Mitglieder angezogen, die sich auf ein umfangreiches Programm freuen.
„Das komplette Programm wird von unseren Mitgliedern selbst auf die Beine gestellt. Das unentgeltliche Engagement ist wirklich einzigartig. Wenn es drauf ankommt, kann man sich aufeinander verlassen!"
Neben dem Vogelschießen, das alle zwei Jahre stattfindet, erwartet die Mitglieder in den Jahren ohne Schützenfest zum Beispiel das Sommerfest mit Kinderbelustigung, bei dem treffsichere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre die Jugendkette unter sich ausschießen und sich alle älteren Semester ans Pokalschießen wagen.
Auch die Gattinnen kommen nicht zu kurz. Beim Damenkaffee drehen die Frauen den Spieß um. Diesmal lassen sie sich von ihren Schützen bedienen. „Kaffee, Kuchen und viel Roten." Rainer Engbers kennt die Speisekarte und weiß auch: „Viele Frauen müssen am Ende des Tages abgeholt werden."
Zum nächsten Termin sollten sie aber wieder fit sein. Auf dem Kalender der Lamberti-Mark-Schützen steht das jährliche Winterfest mit karnevalistischen Einlagen, das Karnevalspräsident Alfred Timmermeester zusammen mit dem Elferrat organisiert. Büttenreden und Tanzmusik sorgen in der Gaststätte „Zur Erholung" für ausgelassene Stimmung. Zudem bauen die Schützen jedes Jahr einen Karnevalswagen, gehen auf Seniorenfahrt und machen bei
der Aktion "Ochtrup räumt auf" mit.

Der Rosenmontagszug in Ochtrup ohne den Schützenverein Lamberti-Mark? Das wäre kaum denkbar. Der Wagenbau und die karnevalistische Ader gehören zum Verein dazu.

Und die scheinen von dem, was über die Jahre so auf die Beine gestellt wird, hellauf begeistert zu sein.

„Das komplette Programm wird von unseren Mitgliedern selbst auf die Beine gestellt", ist Engbers stolz. „Das unentgeltliche Engagement ist wirklich einzigartig." Dabei zeigten seine Schützenbrüder nicht nur Interesse fürs Feiern. »Wenn es drauf ankommt, kann man sich aufeinander verlassen", ist er überzeugt.
Sowieso frage man doch zuerst, noch vor seiner eigenen Familie, seine Nachbarn um Hilfe. Der erste Vorsitzende erklärt: „Der Zusammenhalt in unserer Nachbarschaft ist wirklich toll. Genau das ist der Geist von Lamberti-Mark."
Und genau das sei seiner Meinung nach der Grund, warum der Schützenverein auch für junge Ochtruper noch derart attraktiv ist. Aktionen, die über das Schützenfest hinausgingen und wie das Kinderschützenfest die Kleinen im Besonderen ansprechen würden, seien der Schlüssel. Engbers erklärt den Spagat: „Wir müssen die Tradition, die Arbeit unserer Väter, weiterführen und uns gleichzeitig auf die junge Generation einstellen. Nur wenn wir zusammenhalten, kann uns das gelingen und der Verein weiterhin bestehen."

Anna-Maria Kramer

Das Winterfest, die Karnevalsgala des Vereins, zählt zum festen Bestandteil des Jahresprogramms.

Das Gleiche gilt für den Damenkaffee. Hier geben die Schützenbrüder ihren Partnerinnen etwas zurück.

Ihre Tage sind gezählt - Alfred Timmermeester baut seit 30 Jahren die hölzernen Vögel für die Schützenfeste von Lamberti-Mark

Weit breiten die beiden Schützenadler ihre geschwungenen Flügel aus. Stolz tragen sie ihre goldene Krone auf dem Kopf, ein grünweißes Fähnchen im Schnabel, und mit den Krallen halten sie das Zepter und den Reichsapfel als Zeichen der Macht.
Mit viel Liebe zum Detail hat Vogelbauer Alfred Timmermeester Königsadler und Kaiseradler für das bevorstehende Jubiläumsschützenfest von Lamberti-Mark angefertigt. Viele Stunden hat er in seiner Hobbywerkstatt gesägt, geschnitzt, geleimt, gefeilt und gedrechselt. Den Rumpf des Königsadlers hat er bewusst größer gebaut als den des Kaiseradlers. „Der Königsvogel sollte möglichst 250 bis 400 Schuss aushalten. Aber das Kaiserschießen muss schneller über die Bühne gehen", sagt Timmermeester. Er hat Erfahrung in dieser Sache, die ihm im Blut steckt. Denn sein Vater war ebenfalls Schützen-vogelbauer. Und er selbst baut nun schon seit 30 Jahren die hölzernen Tiere für Lamberti-Mark.
In den vergangenen Tagen wurden die beiden Vögel immer wieder präsentiert und begutachtet.

Majestätisch breitet er seine Flügel aus: Doch egal, ob Königs- oder Kaiservogel - die Tage der hölzernen Tiere sind gezählt. Am Sonntag beziehungsweise Montag zielen die Schützen auf sie. Fotos: Irmgard Tappe

Die Menschen, insbesondere die Schützenbrüder von Lamberti-Mark, bekommen fröhliche Gesichter beim Anblick des großen Königs- und des kleineren Kaiseradlers. Das ist die Vorfreude auf das große Ereignis: Das Jubiläumsschützenfest von Lamberti-Mark.
Noch ahnen der große Königsadler und der kleine Kaiseradler nicht, dass ihre Tage gezählt sind. Beim Königsschießen am Sonntag (6. Juli) beziehungsweise beim Kaiserschießen am Montag (7. Juli) werden sie noch einmal Glanz und Gloria erleben und die wichtigste Rolle ihres Lebens spielen. Gleichzeitig aber müssen sie ihr Leben lassen. Denn die Schützenbrüder werden um die Wette mit dem Gewehr auf die Vögel schießen und ihren Rumpf zerfetzen. Das ist nun mal das Schicksal eines Schützenvogels.

Irmgard Tappe

In seiner Werkstatt entstehen die Objekte der Begierde: Alfred Timmermeester baut seit 30 Jahren Schützenvögel.

Ein Blick zurück - ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Ein Bild mit Seltenheitswert von 1952: Mutter krönt Tochter - die alte Königin Henrika Timmermeester krönt ihre Nachfolgerin Amalia Scho, deren Mann Clemens König wurde.

Ein Bild von einem Festumzug aus den 50ern: Im Vordergrund gehen Hermann Oonk und Alfons Laurenz (r.).

Ein Empfang wie für den Bundeskanzler: Aloys Hüntemann und Gisela Küper sind 1962 das Königspaar.

Die gekrönten Häupter aus dem Jahr 1966 stammen von Marita Küper und Bernhard Stücker.

König von 1972: August Woltering, hier mit seiner Frau Elfriede. Woltering wird 19 Jahre später erster Vorsitzender.

König von 1998, jetzt erster Vorsitzender: Rainer Engbers mit der Königin, seiner Frau Maria (Mitte).

"Nachwuchs können wir immer gebrauchen" - Der Spielmannszug Lamberti ist nicht nur für die Lamberti-Mark-Schützen im Einsatz / Geburtsstunde im Jahr 1952

Ein Schützenfest der Lamberti Mark-Schützen ohne den dazugehörigen Spielmannszug, das wäre noch viel fader als Suppe ohne Salz

Beim Jubiläumsschützenfest wird Martin Zurkuhl wieder kräftig auf die Pauke hauen. Und seine Truppe wird den Leuten dazu den passenden Marsch blasen. Alles andere würde die Schützenbrüder von Lamberti-Mark auch schwer enttäuschen.
Martin Zurkuhl spielt die Pauke im Spielmannszug Lamberti und ist Vorsitzender des Musikzuges. „Spielmannszüge", sagt er, „die haben mich schon fasziniert, als ich noch ein kleiner Junge war."
Schon damals träumte er davon, selber einmal in einem Spielmannszug mitzuwirken. Als 15-Jähriger kam er zum Lamberti-Spielmannszug, wo er seitdem aktiv dabei ist. Die Leidenschaft hat Martin Zurkuhl auch auf seine Söhne übertragen. Der zehnjährige Simon ist begeisterter Trommler, und sein fünf Jahre älterer Bruder Lukas spielt das Becken.
Der Spielmannszug Lamberti ist ein Kind des Schützenvereins Lamberti-Mark. 1952 wurde er unter dem Dach des Vereins geboren. Und wenn die Kinder größer werden, dann nabeln sie sich ab. So war das auch bei den Klöppeljungs von Lamberti Mark. 1962 stellten sie sich auf eigene Füße und gründeten den Spielmannszug Lamberti. Inzwischen ist der Musikzug auf 205 passive Mitglieder und 35 aktive Musiker angewachsen. Die jüngsten Trommler oder Flötenspieler sind sieben Jahre alt. Die Ältesten Mitte 50. Sie musizieren und marschieren bei Schützenfesten, Sternmärschen, an Karneval und anderen zünftigen Veranstaltungen. „Überwiegend aber werden wir von Schützenvereinen engagiert", berichtet Zurkuhl. Trotz Eigenständigkeit blieb der Spielmannszug Lamberti ein Teil seines Schützenvereins. Denn ein Schützenfest der Lamberti-Mark-Schützen ohne den dazugehörigen Spielmannszug, das wäre noch viel fader als Suppe ohne Salz.
Am kommenden Wochenende haben die Musiker wieder ein volles Programm. Drei Tage sind sie im Einsatz. Zurkuhls marineblaues Uniformjackett und die dazugehörige dunkelrote Krawatte hängen bereits startklar am Kleiderbügel. Erstmals wird der Ochtruper die Kluft am Samstag beim großen Zapfenstreich am Ehrenmal tragen.
Sonntagmorgen heißt es dann: Früh aus den Federn, rein in die Uniform und auf zum zünftigen Wecken. Ab 6 Uhr marschiert der Spielmannszug unter der Leitung von Tambourmajor Dirk Hüntemann musizierend durch das Vereinsgebiet. Endstation ist beim amtierenden König. Dort wartet das wohlverdiente Frühstück.
Am Montag noch mal die gleiche Zeremonie. Dieses Mal wird beim amtierenden Kaiser gefrühstückt. Natürlich ist die Begleitung des Spielmannszuges auch gefragt, wenn die Vögel zur Stange getragen werden sowie beim Abmarsch am Sonntag, beim Aufmarsch ins Festzeit zum Königs- und Kaiserball. Als „Marschverpflegung" haben die Musiker rund 30 Märsche im Notenkoffer. Die Bandbreite reicht vom „Mars de Medici" bis zu den „Alten Kameraden".

Nach dem Jubiläumsschützenfest ist erstmal Sommerpause. Danach beginnen die Proben im Stadtmusikhaus in der ehemaligen Kranenbültschule. Geprobt wird sonntags von 10.30 Uhr bis 12 Uhr. Wer mal reinschnuppern oder ein Instrument ausprobieren möchte, ist jederzeit willkommen. „Vielleicht kommt dadurch der eine oder andere auf den Geschmack, bei uns mitzumachen. Nachwuchs können wir immer gebrauchen", sagt Martin Zurkuhl.

Irmgard Tappe


Werkskapelle Laurenz wird zur Stadtkapelle - Musiker sind dem Schützenverein Lamberti-Mark sind eng verbunden

Da war es noch die Werkskapelle der Firma Laurenz: Das Bild stammt aus dem Jahr 1954. Unter anderem zu sehen: Geschäftsführer Josef Ordelsmann (vordere Reihe 2.v.r.) und der Dirigent Hubert Intfeld (vordere Reihe 4.v.r.).

Wenn der Schützenverein Lamberti-Mark in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag feiert, ist er diesen langen Weg zusammen mit einem anderen Ochtruper Verein gegangen, der den Schützen von Beginn an eng verbunden ist: der Stadtkapelle Ochtrup. Sie hat bisher jedes Schützenfest des Vereins begleitet.

Wenn der Schützenverein Lamberti-Mark in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag feiert, ist er diesen langen Weg zusammen mit einem anderen Ochtruper Verein gegangen, der den Schützen von Beginn an eng verbunden ist: der Stadtkapelle Ochtrup. Sie hat bisher jedes Schützenfest des Vereins begleitet.
Hervorgegangen ist die Gruppe aus der Werksfeuerwehrkapelle der Firma Laurenz. Sie wurde 1886 gegründet, also 22 Jahre bevor der Schützenverein Lamberti-Mark aus der Taufe gehoben wurde. Mit der Gründung des Schützenvereins im Jahr 1908 wohnten viele Mitglieder der Werkskapelle auf einmal im Gebiet des neuen Schützenvereins. „Ich glaube sogar, 80 Prozent unserer Musiker lebten damals im Bereich von Lamberti-Mark", schätzt der erste Vorsitzende der Stadtkapelle, Christoph Potthoff. Die neuen Schützenbrüder wussten also schnell, an welche Musiker man sich wenden konnte, um musikalische Unterstützung zu erhalten.
Im Laufe der Zeit wurde aus der Werks- eine Stadtkapelle. Am 1. Januar 1980 gab sie sich den neuen Namen, und die neuen Musiker kamennun aus mehreren Teilen der Stadt, „Wir haben zwar nicht mehr so einen hohen Anteil an Mitgliedern von Lamberti-Mark, aber der Verein war und ist uns natürlich immer noch wichtig. Nicht zuletzt, weil es immer noch viele ehemalige Musiker gibt, die dort leben und im Schützenverein engagiert sind", so Potthoff weiter.
Auch beim bevorstehenden Schützenfest von Freitag bis Dienstag (4. bis 8. Juli), das zahlreiche Gelegenheiten zum Aufspielen bieten wird, wird die Stadtkapelle Ochtrup die ausführende Kapelle sein. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die beiden Vereine ihre Wege auch in Zukunft zu einem großen Teil gemeinsam beschreiten werden.

Niklas Schmitz

Seit dem 1. Januar 1980 nennen sich die Musiker Stadtkapelle Ochtrup. Das Bild entstand 2006 am gleichen Ort, allerdings gab es da bereits das Café Laurenz. Vorsitzender ist heute Christoph Potthoff (hintere Reihe l.).